Wissenswertes
 

Schafe und Schafzucht im Odenwald
Interview mit Bernd Keller vom Schäferverein

Das Interesse an Schafen und der Schafzucht wächst wieder. Grund genug für Martina Emmerich, einmal den Schäfer und zweiten Vorsitzenden des Schäfervereins Odenwaldkreis, Bernd Keller, zu befragen, wie es aktuell um die Schafzucht in der Region bestellt ist und worauf es dabei ankommt.

ME: Wie viele Schafe gibt es aktuell im Odenwald?
BK: Im Odenwald gibt es ca. 2.500 bis 3.000 Mutterschafe.

ME: Welche Schafrassen werden im Odenwald überwiegend gezüchtet und wofür?
BK: Im Odenwald werden überwiegend Merino-Landschafe und Schwarzköpfige Fleischschafe gezüchtet, da diese Rassen sehr gut bemuskelte Schlachtlämmer liefern.

ME: Eignet sich jedes Schaf zur Zucht?
BK: Jedes Mutterschaf eignet sich zur Zucht, wenn es das entsprechende Alter und die rassetypischen Voraussetzungen mitbringt. Dazu sollte man dann einen geeigneten Bock auswählen.

ME: Wie muss ein Schaf eigentlich gehalten und gepflegt werden?
BK: Ein Schaf zu halten, sieht auf den ersten Blick relativ einfach aus, ist es aber nicht. Man kann bei der Schafhaltung viele Fehler machen. Das fängt bei der Fütterung an: Schafe sind zwar genügsame Tiere und können mit ihren drei Vormägen Futter verwerten, das für andere Tiere nicht verwertbar ist. Bei falscher Fütterung erkranken die Tiere aber sehr schnell. Zudem müssen die Klauen regelmäßig geschnitten werden, da es auch hier sehr schnell zu schweren Erkrankungen kommen kann. Ebenso ist eine vorbeugende Behandlung gegen Innen- und Außenparasiten durchzuführen. Zur Pflege gehört natürlich auch die jährliche Schafschur.

ME: Reicht dem Schaf eine Weide oder ist es besser, mit ihm auf Wanderschaft zu gehen? Warum gibt es dann kaum noch Wanderschäfer?
BK: Man kennt in der Schafhaltung drei Beweidungsarten: Erstens die Standweide, bei der die Schafe immer auf der gleichen Fläche bleiben. Zweitens die Umtriebsweide – hier wird die Weide nach mehreren Tagen gewechselt. Und drittens die Wanderschäferei, die immer weiter zurückgedrängt wird. Das hat vor allem mit dem hohen Aufwand an Arbeitszeit und den bürokratischen Hindernissen zu tun. Auch wird es durch die Dichte unseres Verkehrsnetzes immer schwieriger, mit großen Herden zu ziehen. Durch die Intensivierung finden sich zunehmend weniger Flächen, die von den Wanderschäfern genutzt werden dürfen.

ME: Wie wird man eigentlich Schäfer? Welche „Ausbild-ung“ muss man absolvieren bzw. welche Eigenschaften sollte man mitbringen?
BK: Man muss Freude an den Tieren und der Natur mitbringen, um Schäfer zu sein, denn die Haltung der Tiere erfordert viel Freizeit. Da bleibt manches Wochenende oder mancher Urlaub auf der Strecke. Eine Ausbildung muss man nicht absolvieren. Allerdings sollte man sich aus eigenem Interesse und zum Wohl der Tiere Fachwissen aneignen anhand von Literatur, Informationen bei Schäfern, dem Schäferverein oder auch Seminaren, die von den Landesschafzuchtverbänden angeboten werden. Ab einer gewissen Herdengröße ist es sinnvoll, eine Ausbildung zum Tierwirt, Fachrichtung Schafhaltung, oder sogar zum Schäfermeister zu machen.

ME: Wie viele Schäfer gibt es im Odenwald noch und wofür setzen sie sich ein?
BK: Im Odenwald gibt es ca. 350 Schafhalter. Die meisten sind Hobbyschäfer, aber einige von ihnen betreiben die Schafzucht im Haupt- bzw. Nebenerwerb. Ziel der Schäfer ist es, die Artenvielfalt unter den Schafrassen zu erhalten und mit den Tieren einen ökologisch wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft zu leisten.

ME: Wie sieht die Zukunft des Schafes im Odenwald aus?
BK:
Um das Schaf, das wegen seiner Größe und seine vielseitigen Produkte als eine der ersten Tierarten vom Menschen in den Hausstand übernommen wurde, habe ich für die Zukunft im Odenwald keine Angst. Gerade im Bereich des Naturschutzes und der Extensivierung oder auch in den Streuobstwiesen sowie in Feuchtgebieten oder den Steilhängen des Odenwaldes werden wir die Schafe weiterhin finden. Vielleicht nicht mehr in großen Wanderschafherden, sondern eher in der Koppelschafhaltung bis 50 Tiere. Auch zeigen wieder mehr Menschen, vor allem junge Leute, Interesse an diesem nützlichen Haustier.
Nützlich für die Schafhalter wäre es, wenn sich unsere Politiker für einen Abbau des unverhältnismäßig hohen Bürokratieaufwands, der bei der EG herrscht, einsetzen würden. Sie sollten die Schäfer – wie in anderen Ländern auch – in der praktischen Arbeit wie zum Beispiel bei der Finanzierung der Blauzungenimpfung unterstützen.


 
     
 
 
 
 
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